{"id":1455,"date":"2020-05-15T16:57:30","date_gmt":"2020-05-15T16:57:30","guid":{"rendered":"https:\/\/nikolauskapelle-doerflas.de\/?p=1455"},"modified":"2020-05-15T17:38:45","modified_gmt":"2020-05-15T17:38:45","slug":"andacht-zum-mai-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nikolaus-kapelle-doerflas.de\/?p=1455","title":{"rendered":"Andacht zum Mai 2020"},"content":{"rendered":"\n<p>Um Himmelswillen \u2013 gebt die Erde nicht auf! Nach sonnigen Tagen endlich Regen. Das Leben bricht auf. Bl\u00fctenbl\u00e4tter dr\u00e4ngen neugierig ans Licht, k\u00fcndigen Fr\u00fchlingszeit an. Unendlich vieles hat sich \u00fcber den Winter gerettet: Obstbaumbl\u00fchten, die gro\u00dfen Kelche der Magnolien, die kleinen G\u00e4nsebl\u00fcmchen. Das Gl\u00fcck des Fr\u00fchlings ist es, wie neugeboren leben zu d\u00fcrfen. Jubilate.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, ich bin nicht im Paradies aufgewacht. Seit M\u00e4rz ver\u00e4ndert ein kleiner Virus unseren Alltag in vielf\u00e4ltiger Weise. Jubilate ist verstummt. Neue bittere Nachrichten, Leben bedrohend, Leben bedr\u00fcckend, Lebenswege enden trotz aller intensiven \u00e4rztlichen Bem\u00fchungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungez\u00e4hltes Jubilate will, kann nicht gelingen. Unsere Gottesdienste, Zeiten der Gemeinschaft: Jubilate \u2013 Kantate \u2013 Rogate \u2013 werden nur sehr langsam und unter teils unzumutbaren Bedingungen (Gesangsverbot) wieder m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bl\u00e4ttere in meiner Bibel \u2013 da war doch noch was: schon die erste Verse 1.Mose 1-31 \u201eund Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut.\u201c Mit einer sch\u00f6nen poetischen Erz\u00e4hlung beginnt die Bibel, erz\u00e4hlt vom Anfang der Welt. Wir schreiben das 6. Jahrhundert vor Christi Geburt. Das kleine Israel hat den Krieg gegen das \u00fcberm\u00e4chtige Babylon verloren. Damals begannen israelitische Priester den Verschleppten eine Geschichte zu erz\u00e4hlen von der Erschaffung der Welt, von der Erschaffung des Lichts, der Himmelsk\u00f6rper, der Tiere und zu guter Letzt des Menschen. Sie wurde erz\u00e4hlt als eine Trostgeschichte, sie wurde erz\u00e4hlt, um Menschen aufzurichten, um sie in schwerer Zeit in Glaubensanfechtungen zu ermutigen: vertraut unserem Gott. Vertraut ihm auch in der Not. Denn als Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde ist er auch Anfang und Ende aller Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleiner Virus bringt so viel Not und Tod, Leben bedrohende Situationen in unseren Alltag. K\u00f6nnen wir angesichts all dessen die Sch\u00f6pfungsgeschichte noch als Trostgeschichte lesen? Ist sie uns nicht zu einer Geschichte menschlichen Scheiterns, Versagens, \u00fcber einer Jagd nach Macht, Profit geworden? Trotz allem Belastendem, Entmutigendem bleiben diese Verse am Beginn unserer Bibel eine Trostgeschichte. Denn sie versichert uns, dass unser Gott diese Welt ins Sein gerufen hat. Mehr noch: dass Gott diese Welt auch erh\u00e4lt \u201ewie es ihm selber gef\u00e4llt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil das so ist, darf diese Geschichte gerade angesichts aller Hiobsbotschaften, die uns auch in unserem eigenen Leben erreichen k\u00f6nnen, f\u00fcr uns eine Trostgeschichte, ja mehr noch: eine Hoffnungsgeschichte sein. \u201eUm Himmelswillen \u2013 gebt die Erde nicht auf\u201c hei\u00dft es in einem neuen Kirchenlied. Damit einher geht die Aufgabe, dass wir uns auch in dieser Zeit f\u00fcreinander einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kennen viele wunderbare, ermutigende, frohe und manchmal heil machende Zeiten des Miteinanders und F\u00fcreinanders \u2013 jubelt \u2013 singt und betet. So ist diese alte Geschichte f\u00fcr uns heute eine ermutigende Hoffnungsgeschichte, eine Geschichte, die wissen l\u00e4sst: Gott hat uns nicht aufgegeben trotz allem was geschehen ist und was immer noch geschieht. Deshalb sind wir eingeladen anzunehmen uns selbst nicht aufzugeben, nicht zu resignieren, Wir leben unseren Alltag in Jubel und Not, folgen Jesus, dem Auferstandenen. Er ist uns vorausgegangen im Leben und Licht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Herr, unser Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>jeder Sonntag erinnert uns an den Tag, an dem das Leben neu begann. Jeder Sonntag erinnert uns an die Kraft deiner Liebe. Doch mit meinem Kopf und meinem Herzen bin ich noch weit entfernt, Dankbarkeit und Freude zu empfinden und hinaus zu jubeln. Zu sehr bedr\u00fccken die Geschehnisse um die Coronapandemie und die ganz pers\u00f6nliche Belastung des Alltags.<\/p>\n\n\n\n<p>So denken wir an alle Kranken zu Hause, in den Krankenh\u00e4usern und Pflegeheimen, wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich, ihre Kraft und ihre Gaben ein f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, unser Gott, mit dir sind wir verbunden und wir sind es miteinander und f\u00fcreinander in Gedanken aber vor allem im Herzen. Herr, unser Gott, vertreibe die Schatten aus unserem Sinn, die Traurigkeit aus unserem Herzen und Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Lass uns so verbunden bleiben mit dir und deinen Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beten zu dir: <strong>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gott segne uns und beh\u00fcte uns, Gott lasse sein Angesicht \u00fcber uns leuchten und sei uns gn\u00e4dig, Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen und allen guten W\u00fcnschen in der Verbundenheit unserer gro\u00dfen und weiten Nikolaus-Kapelle D\u00f6rflas Gemeinde<\/p>\n\n\n\n<p>Um Himmelswillen \u2013 gebt die Erde nicht auf! Nach sonnigen Tagen endlich Regen. Das Leben bricht auf. Bl\u00fctenbl\u00e4tter dr\u00e4ngen neugierig ans Licht, k\u00fcndigen Fr\u00fchlingszeit an. Unendlich vieles hat sich \u00fcber den Winter gerettet: Obstbaumbl\u00fchten, die gro\u00dfen Kelche der Magnolien, die kleinen G\u00e4nsebl\u00fcmchen. Das Gl\u00fcck des Fr\u00fchlings ist es, wie neugeboren leben zu d\u00fcrfen. Jubilate.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, ich bin nicht im Paradies aufgewacht. Seit M\u00e4rz ver\u00e4ndert ein kleiner Virus unseren Alltag in vielf\u00e4ltiger Weise. Jubilate ist verstummt. Neue bittere Nachrichten, Leben bedrohend, Leben bedr\u00fcckend, Lebenswege enden trotz aller intensiven \u00e4rztlichen Bem\u00fchungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungez\u00e4hltes Jubilate will, kann nicht gelingen. Unsere Gottesdienste, Zeiten der Gemeinschaft: Jubilate \u2013 Kantate \u2013 Rogate \u2013 werden nur sehr langsam und unter teils unzumutbaren Bedingungen (Gesangsverbot) wieder m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bl\u00e4ttere in meiner Bibel \u2013 da war doch noch was: schon die erste Verse 1.Mose 1-31 \u201eund Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut.\u201c Mit einer sch\u00f6nen poetischen Erz\u00e4hlung beginnt die Bibel, erz\u00e4hlt vom Anfang der Welt. Wir schreiben das 6. Jahrhundert vor Christi Geburt. Das kleine Israel hat den Krieg gegen das \u00fcberm\u00e4chtige Babylon verloren. Damals begannen israelitische Priester den Verschleppten eine Geschichte zu erz\u00e4hlen von der Erschaffung der Welt, von der Erschaffung des Lichts, der Himmelsk\u00f6rper, der Tiere und zu guter Letzt des Menschen. Sie wurde erz\u00e4hlt als eine Trostgeschichte, sie wurde erz\u00e4hlt, um Menschen aufzurichten, um sie in schwerer Zeit in Glaubensanfechtungen zu ermutigen: vertraut unserem Gott. Vertraut ihm auch in der Not. Denn als Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde ist er auch Anfang und Ende aller Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleiner Virus bringt so viel Not und Tod, Leben bedrohende Situationen in unseren Alltag. K\u00f6nnen wir angesichts all dessen die Sch\u00f6pfungsgeschichte noch als Trostgeschichte lesen? Ist sie uns nicht zu einer Geschichte menschlichen Scheiterns, Versagens, \u00fcber einer Jagd nach Macht, Profit geworden? Trotz allem Belastendem, Entmutigendem bleiben diese Verse am Beginn unserer Bibel eine Trostgeschichte. Denn sie versichert uns, dass unser Gott diese Welt ins Sein gerufen hat. Mehr noch: dass Gott diese Welt auch erh\u00e4lt \u201ewie es ihm selber gef\u00e4llt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil das so ist, darf diese Geschichte gerade angesichts aller Hiobsbotschaften, die uns auch in unserem eigenen Leben erreichen k\u00f6nnen, f\u00fcr uns eine Trostgeschichte, ja mehr noch: eine Hoffnungsgeschichte sein. \u201eUm Himmelswillen \u2013 gebt die Erde nicht auf\u201c hei\u00dft es in einem neuen Kirchenlied. Damit einher geht die Aufgabe, dass wir uns auch in dieser Zeit f\u00fcreinander einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kennen viele wunderbare, ermutigende, frohe und manchmal heil machende Zeiten des Miteinanders und F\u00fcreinanders \u2013 jubelt \u2013 singt und betet. So ist diese alte Geschichte f\u00fcr uns heute eine ermutigende Hoffnungsgeschichte, eine Geschichte, die wissen l\u00e4sst: Gott hat uns nicht aufgegeben trotz allem was geschehen ist und was immer noch geschieht. Deshalb sind wir eingeladen anzunehmen uns selbst nicht aufzugeben, nicht zu resignieren, Wir leben unseren Alltag in Jubel und Not, folgen Jesus, dem Auferstandenen. Er ist uns vorausgegangen im Leben und Licht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gebet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Herr, unser Gott,<\/p>\n\n\n\n<p>jeder Sonntag erinnert uns an den Tag, an dem das Leben neu begann. Jeder Sonntag erinnert uns an die Kraft deiner Liebe. Doch mit meinem Kopf und meinem Herzen bin ich noch weit entfernt, Dankbarkeit und Freude zu empfinden und hinaus zu jubeln. Zu sehr bedr\u00fccken die Geschehnisse um die Coronapandemie und die ganz pers\u00f6nliche Belastung des Alltags.<\/p>\n\n\n\n<p>So denken wir an alle Kranken zu Hause, in den Krankenh\u00e4usern und Pflegeheimen, wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich, ihre Kraft und ihre Gaben ein f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, unser Gott, mit dir sind wir verbunden und wir sind es miteinander und f\u00fcreinander in Gedanken aber vor allem im Herzen. Herr, unser Gott, vertreibe die Schatten aus unserem Sinn, die Traurigkeit aus unserem Herzen und Gedanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Lass uns so verbunden bleiben mit dir und deinen Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beten zu dir: <strong>Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gott segne uns und beh\u00fcte uns, Gott lasse sein Angesicht \u00fcber uns leuchten und sei uns gn\u00e4dig, Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen und allen guten W\u00fcnschen in der Verbundenheit unserer gro\u00dfen und weiten Nikolaus-Kapelle D\u00f6rflas Gemeinde<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Pastorin Christiane Baumgarten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Himmelswillen \u2013 gebt die Erde nicht auf! Nach sonnigen Tagen endlich Regen. Das Leben bricht auf. Bl\u00fctenbl\u00e4tter dr\u00e4ngen neugierig ans Licht, k\u00fcndigen Fr\u00fchlingszeit an. Unendlich vieles hat sich \u00fcber den Winter gerettet: Obstbaumbl\u00fchten, die gro\u00dfen Kelche der Magnolien, die kleinen G\u00e4nsebl\u00fcmchen. Das Gl\u00fcck des Fr\u00fchlings ist es, wie neugeboren leben zu d\u00fcrfen. Jubilate. 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